Samstag, 20. September 2008

Zöllner

Ich bin ja im Raum Lörrach gross geworden, ganz in dem Eck in dem westlich Frankreich und südlich die Schweiz liegt. Und so gehörte es zu meinen zeitweise täglichen Vergnügen, die Grenze zu überqueren. Probleme gab es da selten, nur als wir in Rockermontur zu einem Guns’n’Roses Konzert wollten (muss ich mich jetzt alt fühlen?) wurden wir einmal von Oben bis unten auseinandergenommen. Im Normalfall wird man mit Lörracher Nummern an Grenzübergängen zu Basel oder ins Aargau kaum angehalten. Als ich nach Zürich zog, hatte ich noch ungefähr ein Jahr einen alten Nissan, denn ich aber nicht mehr für die strengere Schweizer MFK (in Deutschland würde man von TÜV sprechen) bringen wollte, und als ich durch Zufall über das extrem günstige Angebot meines heutigen Autos stolperte, einem roten Porsche, änderte sich schlagartig meine „Beliebtheit“ bei den Zöllnern. Nun wurde ich ständig angehalten und nach eingekauftem und Papieren gefragt. Insbesondere an den Zollübergängen Waldshut / Koblenz und Autobahnzoll Rheinfelden (dort wurde ich sogar wegen einer unbewussten Schmuggelei erwischt – von Autoreparaturen). Ich habe diese Profilierung mal mit einem Zöllner in einem Internetforum diskutiert und der meinte, eigentlich gehören rote Sportwagen nicht ins Profil, aber die Realität sprach da anderes.

Seit meinem sozialen Rollenwechsel allerdings profitiere ich von einem femininen Privileg und werde wieder mehrheitlich durch gewunken. Interessant wird es dennoch, wenn ich dann doch einmal angehalten werde und die Zöllner die Papiere sehen wollen. Denn die sind ja noch meinem früherem Äusseren angepasst. Und ich muss die Zöllner hier mal ausdrücklich loben – bislang hat nie einer ein Wort darüber verloren. Dass es aber doch nicht ganz spurlos an den Beamten vorbeigeht, merkte ich, als mir einer der Zöllner beim zurückgeben der Papiere dann eine „Gute Reise“ wünschte. Ja, die 50km Autobahn von Rheinfelden bis Zürich können sich ziehen…